Technische Veränderungen in der Gastronomie

Wie sieht die Gastronomie von morgen aus und welche digitalen Tools kommen zum Einsatz? Welche technischen Veränderungen in der Gastronomie möglich sind, lesen Sie im folgenden Artikel.

Freitagabend in Berlin-Kreuzberg. Der Sommer zeigt sich von der schönsten Seite und die Tische eines angesagten Burgerladens nahe des Bergheims sind gut gefüllt. An einem Tisch sitzt der Inhaber der gutgehenden Gastronomie – nennen wir ihn Mukisic – und starrt auf sein Smartphone. Um ihn herum duftet es nach Fleisch und veganen Burgern. Doch der Inhaber hat nur Augen für sein Smartphone – der Blick ist starr auf den Bildschirm gerichtet. Erst, als sein Essen kommt, blickt er kurz auf und lächelt, spricht die Bedienung an und fragt, warum einer der Köche morgen Mittag nicht arbeiten würde. Die Bedienung ist verdutzt und schweigt. Als sie geht, sieht man, dass sie über die Frage nachdenkt. Woher wusste der Chef das denn wieder? Die Antwort liegt in seinem Smartphone und ist so etwas wie der digitale Assistent des Chefs. Mit zahlreichen Apps für Personalplanung, Zeiterfassung oder Auslastung der Tische weiß der Inhaber jederzeit, wie gut sein Laden läuft und ob eventuell Personalmangel droht. Die Algorithmen wissen alles und schließen die richtigen Schlussfolgerungen. Mukisic muss dann die Empfehlung nur noch ausführen. Willkommen in der digitalen Welt der Gastronomie.

Digitale Planung in der Gastronomie

Alles begann damit, dass der Inhaber des Szeneburgerladens wieder einmal Stress hatte, Personal für eine Schicht zu finden. Er durchsuchte die Kalender und verglich so lange die Dienstpläne, bis eine Schicht geplant war. Doch für ihn war es ein Erlebnis, das ihn wachrüttelte. Er durchsuchte das Netz nach Softwarelösungen und entschied sich am Ende für einen Anbieter für Personaleinsatzplanung, der genau das abdeckte, was er sich erhoffte: eine bessere Übersicht bei der Personalverwaltung. Seitdem hatte er selten stressige Momente bei der Personalplanung. Er war angetan und fragte sich: Geht da nicht noch mehr? Es ging mehr. Schritt für Schritt digitalisierte er alle Abläufe in seinem Laden. Heute gilt sein Burgerladen als digitaler Vorzeigebetrieb. Bekannte Digitalpioniere waren schon da und sogar ein stadtbekannter Investor. Was sie alles sahen hat sie beeindruckt.

Reservieren 4.0

Früher war das ja so: man rief im Restaurant an und bestellte einen Tisch. Wenn es keinen gab, ging man halt woanders hin. Pech, schade, was soll’s. Heute gibt es bereits Tools, die genau schauen, welcher Tisch in kürzer frei werden könnte. Haben die Gäste am Tisch 7 schon das Essen? Falls ja, welches Menü haben sie bestellt und wie lange dauert es, bis das Menü verzehrt wurde? Dank der gesammelten Daten weiß Inhaber Mukisic, dass bei Menü 4 der durchschnittliche Gast um die 40 Minuten braucht. Das weiß auch seine Reservierungsapp und schlägt daher dem Mitarbeiter vor: Tisch 7 wird in etwa 50 Minuten frei. Das wird an dem Gast weitergegeben und kann daher planen, dass er in etwa einer Stunde einen Tisch bekommt. Mukisic ist stolz auf dieses Tool. Entwickelt haben das zwei seiner Stammgäste. Bezahlt wurde mit lebenslangen, kostenlosen Essen für die Entwickler und deren Familie.

Digitales Controling

Doch Mukisic ging noch einen Schritt weiter, setzte immer mehr auf die digitalen Helferlein. Dank seiner Apps und anderer webbasierter Tools weiß der Inhaber, wie oft welches Menü bestellt wird, wie lange Gäste einen Tisch belegen und welcher Mitarbeiter wann und wie oft Überstunden macht. Für ihn sind die vielen digitalen Assistenten mittlerweile Alltag. Aber sind sie auch die Zukunft der Gastronomie? Trendforscher sind sich sicher, dass das Internet of Things, kurz: IoT, unser aller Leben maßgeblich umkrempeln wird. Was mir machen, planen oder umsetzen, werden wir mithilfe von Algorithmen bewältigen. Es wird also nicht nur eine Industrie 4.0 geben, sondern auch eine Gastronomie 4.0. Bestellungen sind heute schon auf Tablets möglich, die Bedienung bringt das Essen anschließend an den Tisch. Der digitale Fortschritt lässt Zukunftsforscher träumen und Datenschützer hastig nach Luft schnappen. Denn bei all diesen digitalen Bestellungen oder Datenerfassungen sind es immer die Gäste, die diese Daten hergeben. Datenschützer warnen bereits, dass der Inhaber einer Gaststätte bald genauso viel über einen Gast weiß wie Facebook oder Google.

Für Inhaber Mukisic ist das kein Thema. Er schaut schon wieder auf das helle Display und testet die neueste technische Entwicklung: einen Chatbot. Der soll demnächst Bestellungen und Kundenwünsche auf der Facebook-Seite und auf der Website entgegennehmen. Mukisic ist mit dem Chatbot zufrieden. Mittlerweile ist es dunkel geworden in Berlin. Die Tische leeren sich vor dem Ladenlokal. Nur Inhaber Mukisic sitzt noch draußen und schaut – auf sein Smartphone.

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